Meine Frau liebt IKEA! Insofern war sie auch gleich total begeistert, als sie bei IKEA onsite zu einer Befragung eingeladen wurde. Ich war gespannt – Marktforschung bei einem internationalen Konzern macht ja wenigstens neugierig.
Zunächst ging es um Wohnverhältnisse (z.B. der Bausubstanz des bewohnten Gebäudes), danach kam ein statistischer Teil zu den Personen, die permanent oder vorübergehend in der Wohnung leben. Nach nur wenigen solcher Fragen war es aber bei meiner Frau mit der Begeisterung vorbei – sie hatte sich Fragen zu Möbeln, Sonderangeboten oder neuen Produkten erhofft. Und sie wäre vermutlich sogar bereit gewesen, den ganzen Abend lang unsere Wohnung mit einem Java-Applet in 3D nachzubauen. Diese Form der Befragung passte aber so überhaupt nicht zu ihrem leuchtenden Bild von IKEA – die Umfrage war langweilig, monoton und altbacken.
Ich dagegen war plötzlich recht interessiert, vor allem nachdem ich folgende Frage gesehen hatte:

Wie bitte? Ich kann weniger als ein Jahr alt sein, trotzdem schon lesen und geschätzte 20 Fragen zur Bausubstanz meiner Mietwohnung ausfüllen? Welche Kuriositäten kommen da noch? Hier war mit einem Mal meine Neugierde gewecket.
Also sehe ich mr die Studie einmal genauer an: Wie befürchtet kommen Dropdown-Matrizen und andere Fragebogenungeheuer. Selbst wenn die Fragen also inhaltlich relevant wären (worauf es für die Befragten aber keinen Hinweis gibt), die Bedienung macht in keinem Fall Spaß! Meine Frau war am Ende sichtlich enttäuscht, weil die Umfrage so langweilig war und trotzdem ohne Dankeschön beendet wurde. Bei IKEA Family gibt es doch so häufig kleine Werbegeschenke, warum dann nicht bei einer solchen Zumutung? All das passte so überhaupt nicht zu ihrer Vorstellung von IKEA.
So aber stellt sich nun die Frage, was man hätte besser machen können? Meine Antwort lautet: Surveytainment!
- Zunächst sollte die Umfrage dem Image der dahinterstehenden Marke entsprechen – gerade wenn der Auftraggeber so klar erkennbar ist. Sie muss genau den Typ Mensch ansprechen, der sich auch von IKEA angesprochen fühlt. Zielgruppengerechte Ansprache gilt auch für Umfragen!
- Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich inhaltlich beschränken muss. Wenn man für ein ansprechendes Layout und außerdem eine gute Bedienbarkeit sorgt, signalisiert das dem Umfrageteilnehmer bereits Wertschätzung. Auch das typische Look & Feel von IKEA oder die Ansprache (IKEA: Du / Umfrage: Sie) bedeutet nicht unbedingt einen Eingriff in die Fragebogenlogik, könnte aber eine gemeinsame Basis zwischen Kunde, IKEA und der Umfrage herstellen.
- Dann sollte man gerade bei Fragen zur Bausubstanz oder Bodenbelägen den Umfrageteilnehmer über den Sinn dieser Fragen informieren. Ohne weitere Informationen können solche Fragen schnell wie sinnlose Sammelwut von Daten wirken. Umgekehrt kann es aber sogar zum positiven Image von IKEA beitragen, wenn man verdeutlicht, dass die Wohnverhältnisse der Kunden bei zukünftigen Produktentwicklungen berücksichtigen werden sollen.
- Schließlich kann man auch die Fragebogenlogik selbst ändern – neue Fragetypen entwerfen, wie z.B. das oben genannte Java-Applet zum virtuellen Abbilden der eigenen Wohnung. Als Standardlösung mag das übertrieben sein, kann aber beim punktuellen Einsatz großartige Erfolge bringen.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich habe gar nichts gegen IKEA oder das dahinterstehende Institut. Und leider gibt es auch genügend andere Negativbeispiele, so dass es sich hier nicht einmal um einen Einzelfall handelt. Doch nur selten habe ich die Möglichkeit, die enttäuschten Reaktionen der Umfrageteilnehmer so hautnah mitzuerleben, wie bei bei diesem Beispiel. Mein Einsatz für Surveytainment hat also auch persönliche Gründe! Dass es praktikable Lösungen für bessere Umfragen gibt, durften wir dagegen schon oft unter Beweis stellen!













